Studenten wollen in fremde Kulturen eintauchen

In das Kochbuch „Cantina Mexicana“ hat Felix Feldmann in den vergangenen Wochen schon öfter geschaut. „Ich muss ja wissen, was mich erwartet“, sagt er lachend. Denn am Montag, 14. August, ist es soweit. Dann fliegt der 23-Jährige nach Mexiko, um ein Jahr lang für das Bistum Münster in einer Pfarrei in der Provinz Tecozautla mitzuarbeiten. Wenn Felix im Flugzeug sitzt, wird Romina Becher schon gelandet sein. Allerdings in Südafrika. Einen Tag vorher startet sie in ihren Freiwilligendienst, um in einer Missionsstation in Nkandla im Osten des Landes ein Jahr lang zu leben und zu arbeiten. 

 

Die beiden Studenten aus Münster haben sich bewusst etwas Zeit gelassen, bevor sie sich für einen Freiwilligendienst entschieden haben. „Der Gedanke ins Ausland zu gehen hat mich schon lange begleitet“, blickt Romina Becher zurück, die Soziale Arbeit studiert und gerade ihr Masterstudium beendet hat. Auch Felix Feldmann wollte erst seinen Bachelor in Englisch und Philosophie auf Lehramt abschließen, bevor er den Schritt wagt. „Ich freue mich darauf, nach dem eher theoretischen Lernen an der Uni jetzt auch praktisch arbeiten zu können“, und ergänzt: „Eben ganz besondere Lebenserfahrungen zu sammeln.“

 

Der 23-Jährige ist der erste Freiwillige, der in die mexikanische Pfarrei entsendet wird. Deshalb wird sich Felix Feldmann vor Ort umschauen, was es an sozialen Projekten gibt und was noch fehlt. Gerne würde der gebürtige Marler mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. „Ich könnte mir vorstellen mit ihnen musikalisch zu arbeiten oder mich in einem Flüchtlingsprojekt, das es dort schon gibt, einzubringen und vielleicht Sprachkurse zu geben“, sagt er. Die ersten Wochen wird er jedoch erst einmal die nähere Umgebung erkunden, Spanisch lernen und den Pfarrer begleiten, in dessen Pfarrhaus er auch wohnen wird.

 

Romina Becher weiß von ihrer Vorgängerin schon in etwa, was sie erwarten wird. „Ich werde in dem zugehörigen Waisenhaus die Kinderbetreuung übernehmen, die Schwestern unterstützen und gemeinsam mit ihnen in den umliegenden Schulen Präventionsschulungen zu den Themen Drogen und HIV durchführen“, nennt sie einige ihrer Aufgaben. Erfahrungen im Umgang mit Kindern bringt die 24-Jährige bereits mit. Während ihres Studiums absolvierte sie ihr Praxissemester in einem Kinderheim. Von ihrem Einsatz erhofft sie sich einen Perspektivwechsel: „Vieles nehmen wir als selbstverständlich an, weil wir es nicht anders kennen. Ich möchte mich selbst dafür sensibilisieren, dass manches keineswegs selbstverständlich ist“, sagt sie.

 

Auch wenn die beiden hin und wieder von Bedenken eingeholt werden, weil sie Familie und Freunde vermissen werden, überwiegt doch die Vorfreude auf das, was sie erwartet: „Ich bin gespannt auf die fremde Kultur und die Menschen, denen ich dort begegnen werde“, sagt Felix Feldmann. Raus aus dem Alltag, die deutschen Strukturen vorerst hinter sich lassen und sich auf eine andere Mentalität einlassen – die beiden Studenten lassen die Veränderungen gelassen auf sich zukommen.

 

In den vergangenen Monaten wurden sie zusammen mit den anderen Freiwilligen von den Mitarbeitern der Fachstelle Weltkirche des Bistums Münster auf ihren Einsatz vorbereitet. Die Seminare mit Fachleuten und die gemeinsamen Unternehmungen wie eine Woche in Berlin haben das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe gestärkt: „Die Vorbereitungen haben uns eng zusammengeschweißt und man merkt, dass wir alle auf demselben Weg sind“, sagt Romina Becher.

 

Text und Foto: Ann-Christin Ladermann/Bischöfliche Pressestelle Münster